Lo duse! Ich bin Jan, von Beruf Steinmetz, fortgebildeter Betriebswirt und hobbymäßiger Dichter und Programmierer.
Schau dich nur um, du wirst sicherlich etwas finden, was dir gefällt.
Scrolle nach unten oder schau ins Menü.
Übersicht
Hier ist eine Übersicht der folgenden Inhalte:
Über mich
Was mache ich heute?
Heute bin ich spezialisiert aufHaus, Hof, Garten
- winterfeste Brunnen
- Sitzobjekte
- Designartikel
- Geschenkideen
Grabmale
- stehend
- liegend
- Standard
- künstlerich, stilvoll
Steinrestaurierung
mit dem Erhalt der Originalsubstanz
jederzeit
auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Ideen.
mehr zeigen
beschäftigt bei
Beruf
- Steinmetz
- Kaufmann
- Betriebswirt
Ort
Hannover, (D)
Jahrgang
1976
Sternzeichen: Krebs
Geschlecht
männlich
Hobbys
Dichten, Kurzgeschichten, Gesellschaftsspiele,
Billard, Molche, Schildkröten, Wandern, Fahrrad,
Programmieren, Brot backen, Naturstein
Lo duse!
[Lo = Abk. für Hallo
duse = Parodie auf Star Wars E1: 'michse nix wissen']
Der Steinmetz
ein wunderbarer Beruf!
Es ist auch der älteste Beruf seit Beginn der Urzeit. Daher bin ich stolz darauf, ein Steinmetz zu sein!Noch heute wird der Naturstein in seiner vollen Härte mit Hammer und Meißel bezwungen. An der Herstellung von Objekten im edelsten Element der Natur hat sich von der Zeit der Altvorderen bis heute kaum etwas verändert. Maschinen bringen Zeitersparnis, doch auch deren Erfindung begründet sich auf die Kunst des Steinhauens.
Inzwischen haben wir zusätzliche Handlungsfelder erschlossen und eine große Auswahl an Materialien entdeckt und eingesetzt.
mehr zeigen
Beispiele
![]()
Ob nun schwere vorgehängte Platten zu gewaltigen Fassaden, Kleinstimmobilien wie modern gestaltete Grabmale oder Statuen, Fußböden, Bäder, Designartikel, ... Fast alles Denkbare lässt sich realisieren.
Und dazu macht es Spaß - Wie daVinci damals schon sagte - "Ich habe nur den überflüssigen Teil abgeschlagen, die Form war bereits im Stein."

Freisprechung
![]()
Zum Abschied aus der Lehrzeit und zum Aufstieg zu einem zünftigen Gesellen findet heute auch immer noch traditionell eine Freisprechung mit Freischlagung statt.
Nicht jedes Richtscheit überlebt den doch teils schwungvollen "Klapps" auf den Hintern!
Auch zu diesem Anlass wird mit "viel Bier und auch viel Wein, da ist's gut Steinmetz sein" aus dem Steinmetzlied in gemeinschaftlicher Atmosphäre und stolzer Brust gesungen.
Wandergesellen
![]()
sind heute längst nicht ausgestorben.
Mit Gunst und Erlaubnis, drei Jahre und einen Tag, ledig, kinderlos und schuldenfrei muss dieser mehr als 50 km von seinem Heimatort unterwegs sein und nach alter Tradition und Sitte nach Arbeit, Kost und Logis fragen.
Dabei sind auffällige und nicht auffällige Rituale zu beachten. Um zu erfahren, welche dies sind, steht es jedem frei, eine Steinmetzlehre zu beginnen und auf Wanderschaft zu gehen.
Das Steinmetzlied
![]()
1. Zu Rochlitz in dem Wald,
wo unser Knüppel schallt,
wo die Nachtigallen singen,
des Meisters Taler klingen,
ist nichts als lauter Lust
in uns'rer Steinmetzbrust.
2. Wo kommen Schlösser her
und Burgen noch viel mehr?
Große Brücken über Flüssen
die wir erbauen müssen,
zu Wasser und zu Land -
Hoch leb der Steinmetzstand.
3. Und ist der Bau vorbei,
dann gibt's ne Schmauserei!
Gibt's Essen und zu trinken,
gebrat'ne Wurst und Schinken,
viel Bier und auch viel Wein,
da ist's gut Steinmetz sein.
4. Und ist der Schmaus vorbei,
dann gibt's 'ne Keilerei.
Doch wir dürfen uns nicht schlagen,
wir müssen uns vertragen.
Wir reichen uns die Hand –
Hoch leb' der Steinmetzstand!
Gleichnis
![]()
Ein nützliches Gleichnis im Bezug auf die häufig gestellte Fage zum "Nutzen" von Grabmalen:
Man geht in den Baumarkt und kauft sich eine Bohrmaschine.
Dabei braucht man diese indirekte Bohrmaschine gar nicht, vielmehr ist es das direkte Loch in der Wand, was man hätte kaufen wollen, aber nicht können!
Der Gedenkstein ist also ein Zeichen dafür, dass man den Verstorbenen liebend gerne weiter gepflegt hätte, sich mit ihm treffen und unterhalten wollen.
Eben all das, was nun nicht mehr direkt möglich ist.
Indirekt aber schon.
Gedichte
Dieser Inhalt kann nur mit aktiviertem JavaScript angezeigt werden.
Geschichten
Affensuche
Es war einmal ein Affe, der saß den ganzen Tag auf dem Baum und kam nicht runter. Er fraß seine Bananen, seine Äpfel, und Würmer. Würmer in Äpfeln... mehr lesen
Halt alles, was er da oben fand. Mit der Zeit wurde er immer einsamer, er hatte keine Freunde mehr. Alle waren teilweise mit auf dem Grund oder auf andere Bäume gezogen. Und ließen den Affen alleine. Niemand kümmerte sich mehr um ihn. Sogar die Vögel machten sich über ihn lustig. Täglich koteten sie ihn mindestens einmal an. Manchmal sah der Affe aus wie ein Geist, und er konnte sich nicht waschen, er blieb ja auf dem Baum. Allein. Sein Glück war, dass der Kot mit der Zeit trocknete und abfiel. Aber es war kein Leben. Er wurde traurig, aber er hatte auch Angst. Er lebte sein ganzes Leben auf dem Baum. Er kannte kein anderes Leben. Ein paar mal besuchten ihn andere Affen. Unser Affe war zwar immer nett, aber er ging nie mit den anderen mit. Irgend wann hatten die anderen auch keine Lust mehr, unseren Affen zu besuchen. Er kam ja sowie so nicht mit runter. Der Affe dachte sich, ob es da wohl irgend wo draußen ein Affenweibchen gibt, das genau wie er immer nur auf einem Baum sitzt? Er malte sich alles so schön aus. Aber dann fiel ihm auf: Wenn sie auch da nur rum sitzt, dann kann sie ihn ja nicht besuchen kommen, und er kann sie nicht besuchen kommen. Das machte ihn wieder sehr traurig.Also fasste er sich ein Herz und ging langsam Ast für Ast den Baum hinunter. Trotz seiner Angst schaffte er es, die Mutter Erde zu berühren. Viele umherlaufende und spielende Affen sahen diesem Treiben zu. Es bildete sich eine Traube, alle wollten sehen, wie der eine Affe den Baum runterging. Jetzt bekam unser Affe erst recht wieder Angst und lief schnell wieder den Baum rauf und verharrte. Er verharrte viel Tage und Nächte. Und dachte immer wieder an seine Traumäffin. Wo kann sie nur sein? Ist sie erreichbar? Hat sie gleiche Gedanken wie er??? Das beschäftigte ihn so stark, dass er nicht mehr einschlafen konnte. Also ging es des Nachts sehr vorsichtig, denn es war dunkel, den Baum runter. Niemand sah ihn. Er war wieder allein, aber das war er gewöhnt, das mochte er. Er versuchte schnell aus dem Bereich raus zu kommen, wo die ganzen anderen Affen schliefen. Endlich, er sah niemanden mehr. Jetzt legte er sich an einen Baum, um zu schlafen.
Des andern Tags, die Affen erwachten, wollten sich wieder lustig über den einen machen. Aber der Baum war leer. Sie wunderte sich sehr, aber freuten sich auch für ihn. Nur wusste keiner, wo er war. Sie machten sich Sorgen. Ist er runter gefallen? Und kam just in dem Augenblick ein Raubtier? Sie wussten es nicht, und sie suchten die Gegend ab. Unser Freund der Affe bekam von der Suche nichts mit. Er selbst war auch auf der Suche, auf der Suche nach seiner Traumäffin. Er schaute auf jeden Baum, er fragte jeden Affen, den er auf dem Weg sah, aber es schien kein Weibchen zu geben, dass dauernd auf einem Baum sitzt. Er wurde wieder traurig und begann in seinen alten Trott zu fallen. Er suchte wieder einen Baum, einen schönen Baum, und stieg herauf. Oben machte er es sich wieder gemütlich. Es wurde Nacht.
Er schlief, zwar etwas unruhig, aber er schlief. Er wachte auf, als er ein Stimmengewirr unter sich wahrnahm. Er konnte einige Stimmen herausfiltern. Es waren seine ehemaligen Freunde, sie kamen und suchten ihn. Er rief, dass er oben auf dem Baum sei, aber was nütze es, keiner würde ihn in der Lautstärke hören. Also fasste er sich Mut, ging wieder runter und begrüßte alle. Auch alle begrüßten ihn. Es war eine große Qulicke geworden. Viele kannte er gar nicht. Es war eine große Suchaktion, bei der sich jeder beteiligen wollte, denn jeder kannte den einen Affen, mindestens vom Hörensagen. Und dann fiel im eine Affenfrau auf, und auch sie schaute ihm tief in die Augen. Sie meinte, sie hätte auch lange auf einem Baum gesessen und sei dann auf die Suche gegangen. Dabei nahm sie eine suchende Mannschaft wahr, und das Thema, warum und wen sie suchten. Da musste sie natürlich mitziehen. Und jetzt hat sie ihn gefunden. Jetzt haben ihn alle gefunden. Und er freute sich, so viele Freunde zu haben, alte wie neue. Und er freute sich sehr über diese freudige Überraschung, eine Äffin kennen zu lernen, die das gleiche wie er durchgemacht hat. Fortan lebten sie zusammen, aber nicht dauernd auf Bäumen. Nein, sie gesellten sich zu ihren Freunden und bekamen Kinder. Alle waren wunderschön, wie die Eltern. Und alle waren gesund, nur eines machte dem Papa Sorgen. Es saß Tag ein Tag aus auf einem Baum und schaute immerzu hinunter. Da gesellte sich der Papa zu seinem Sohn und fing an zu erzählen:
Es war einmal ein Affe, der saß jeden Tag auf dem Baum, und kam nicht hinunter ... Nachdem er die Geschichte erzählt hatte, sah ihn der Sohn mit großen Augen an. Der Vater nahm seinen Sohn in die Arme und ging mit ihm runter. Es war eine glückliche Familie, ihr Leben lang. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute mit ihren Freunden auf dem Boden.
Das Rätsel um das Stachelschwein
Es war einmal ein Stachelschein. Es ging ans Meer und hielt seine Tatzen ins Wasser, um sie zu säubern. Plötzlich, ganz plötzlich ohne Vorwarnung, es war nichts zu sehen, es gab keine Andeutung, auf jeden Fall, niemand hätte es gedacht, unerwartet biss... mehr lesen
ihm ein Fisch in die Tatze. Stachelschweinchen zog sodann seine Pfote aus Wasser, und der Fisch hang immer noch daran. Er zappelte und ließ schließlich los und fiel auf den sandigen Boden. Dort kam ihm Sand in die Kiemen, und der Fisch musste husten.'Bitte, schmeiß mich zurück ins Wasser.'
Stachelschweinchen pustete noch seine Tatze, sie tat ihm doch sehr weh, er hörte nicht das Gejaule des Fisches. Der Schmerz ließ langsam nach, und Stachelschweinchen hörte ein leises Wimmern.
'Bitte, ins Wasser, hier kann ich nicht überleben.'
Stachelschweinchen reagierte, aber es wusste nicht wie. Es traute sich nicht, den glibbschigen Fisch anzufassen und Pfote wollte es auch nicht wieder herhalten, und aufspießen wollte es den Fisch auch nicht. Also musste sich Schweinchen was überlegen, aber was nur? Es musste schnell gehen, auf die Flut warten dauerte zu lange. Da hatte es eine Idee:
Die alten Ägypter haben das ja auch schon geschafft (Schwein kam weit herum :-) ) Also riss sich das Stachelschweinchen einige seiner Stacheln aus und legte sie vor den Fisch. Reihe an Reihe, in Richtung Wasser. Dann schob es den Fisch auf die Stacheln und konnte ihn nun zum Wasser schieben, besser walzen.
Der Fisch war dankbar, und reinigte sich erst einmal im Wasser. Nach wenigen Minuten kam er wieder hoch, um eine ewige Freundschaft mit dem Schwein zu vereinbaren. Aber das Stachelschwein war nicht mehr da. Auch die Stacheln lagen nicht mehr am Strand. Es waren keine Fußabdrücke zu sehen. Es war sehr seltsam. Der Fisch hatte keine Erklärung dafür.
Jetzt bist du gefragt, des Rätsels Lösung liegt sehr nah!
Lösung:
Nun, der Fisch konnte unter Wasser nicht mehr sehen, was oben passierte. Denn das Schwein hatte immer noch schmutzige Pfoten und wollte sie waschen. Aber es wollte sie nicht wieder ins Wasser halten, da es Angst hatte, wieder gebissen zu werden. Also ist es über die Dünen weggegangen. Die Stacheln wurde ins Meer geschwemmt, und die Fußstapfen durch die Wellen verwischt.Der Ameisenbär
Es war einmal ein Ameisenbär. Ein kleiner Bär, mit einer langen Nase. Mit dieser langen Nase konnte er Ameisen aufspüren und sein Futter aufnehmen. ... mehr lesen
Tag ein Tag aus ging er los, um einen neuen Ameisenhaufen auf zustöbern. Jeden Tag fand er einen, und jeden Tag hatten die beraubten Hügel wieder Zeit, sich zu reorganisieren und wieder aufzubauen. Es war ein schönes Leben. Er hatte Zeit für sich und sein eigenes Areal mit seinem eigenen Futter. Niemand bereitete ihm Sorgen. Bis eines Tages, es war noch früh am Morgen, es kam eine schöne junge Ameisenbärendame auf ihn zu. Unser Ameisenbär erwachte durch diesen wunderbar schönen Anblick. Er träumte nicht. Sie stand wahrhaftig vor ihm. Er sah auf, lächelte sie an, und fragte, ob sie Hunger hätte. Sie nahm das Angebot dankend an, und die beiden gingen zu dem größten Ameisenhügel, den der Ameisenbär je gefunden hatte. Und sie aßen sich satt, sie aßen lange und ausgiebig, und schauten sich dabei immer eingehend an. Es war, als würde für den Ameisenbären ein Traum in Erfüllung gehen, nicht nur jeden Tag nur fressen, nein, endlich mal eine Gefährtin zu haben, da isst man gleich viel mehr und genussvoller.So ging es ein paar Tage, der Ameisenbär zeigte seiner Dame die schönsten Plätze mit den schönsten und größten Ameisenhaufen. Sie wusste es zu schätzen, und gesellte sich auch Nachts zu ihm. Seite an Seite schliefen sie bis zum nächsten Morgen. Und wieder gingen sie auf Futtersuche. Nun wollten sie zu dem Hügel, bei sie das erste mal zusammen gespeist hatten. Unser Ameisenbär war gewöhnt, dort wieder einen vollen Ameisenhaufen vor zu finden. Aber was er fand, war beängstigend. Er sah einen zusammengefallenden Ameisenhaufen, alles lag drunter und drüber, nichts mehr so, wie er ihn erwartet hatte. Fast so, wie er ihn vor einiger Zeit zusammen mit seiner Freundin verlassen hatte. Er wagte gar nicht, seine neu erworbene Freundin anzuschauen. Er schämte sich für dieses Ereignis. Bevor einer der beiden ein Wort fassen konnte gingen sie auch schon zum nächsten Hügel, den er wieder groß und stattlich erwartet hatte. Der Ameisenbär ging wieder erhobenen Hauptes vor und erschrak erneut, als er einen weiteren in sich zusammen gefallenen Ameisenhaufen ohne jegliches Leben entdecken musste. Es war ihm so peinlich. Das war ihm zuvor noch nie passiert. Er schaute seine Freundin an, aber sie schien es überhaupt nicht zu beeindrucken, dass dies passiert war. Das beruhigte den Ameisenbären etwas, und sie zogen zu einem dritten Ameisenhügel. Aber auch dort bot sich das gleiche Bild. Der Ameisenbär begriff nichts mehr. Auch der vierte und fünfte Hügel waren auf das schärfste zerstört. Keine Ameise weit und breit aufzufinden. Er entschuldigte sich, doch sie wollte davon nichts hören. Sie fragte ihn, ob er nicht noch einen Hügel kannte, bei dem sie noch nicht gewesen seien. Er bejahte, es war zwar nur ein kleiner, aber immerhin, nach den Misserfolgen an diesem Morgen war es eher eine Aufmunterung.
Und so gingen sie und fanden einen noch intakten Ameisenhaufen vor. Die Ameisenbärendame stürzte sich sofort auf das Mahl, ihr Freund dagegen hatte wenig Appetit, er sah ihr nur zu, wie sie genüsslich aber gierig nach den Ameisen saugte. Das Leben im Bau ging immer weiter zurück, die Ameisen reduzierten sich auf ein Minimum. Unser Ameisenbär bekam Angst. Nun wusste er, warum die anderen Haufen tot waren, keine Ameise mehr aufzufinden war. Er sah seine Freundin an, er sah sie lange und innig an, aber sie zollte ihm nicht einmal die Würde eines Blickes. Er ging auf sie zu, sprach sie an, ob sie wüsste, dass sie damit seine Existenzgrundlagen zerstörte. Sie schaute ihn einmal kurz an, nahm noch einen Happen und betonte, dass ihr das egal sei. Hauptsache sie komme durch. Dies war der Augenblick, in dem der Ameisenbär erkannte, dass er sich in der schönen Dame mächtig geirrt hatte. Wie konnte er ihr nur ohne Vorbehalt alle seine Lieblingsplätze zeigen. Wie sollte er denn nun über die Runden kommen. Er wurde so wütend, dass er seine Freundin laut anfuhr, sein Revier sofort zu verlassen. Er wolle nichts mehr mit ihr zu tun haben. Sie entgegnete kalt, dass sie erwartet hatte, dass dies in diesen Tagen passieren müsste, so, wie es bei jedem anderen Mann zuvor auch passiert ist. Nur bei ihm hat sie es sehr lange ausgehalten. Sie war erstaunt, wie viele Plätze er doch kannte. Und zudem waren sie groß und reichhaltig. Es hat ihr geradezu richtigen Spaß gemacht, bei ihm so lange zu verweilen. Jeden Tag ein neues Fleckchen, jeden Tag ein neues Festmahl. Es war für sie ein Genuss. Das war zuviel für unseren Ameisenbären. Er schrie sie wieder regelrecht an, sie schien ihm gar nicht zuzuhören. Sie saugte noch schnell ein paar Ameisen ein und ging dann ins Unterholz. Unser Freund konnte ihr nur noch traurig nachschauen. Die Zeit war so schön mit ihr. Das Fressen hat wieder richtig Spaß gemacht, aber warum dieses Ende? Warum auf diese Art?
Ein paar kleine Orte hatte er noch, die er ihr nicht gezeigt hatte. Sie waren nicht so reichlich an Futter, aber er würde über die Runden kommen können. Er musste nur sein Leben vollends umstellen. Er schwor sich, nie wieder nur auf das äußere zu achten, und nicht mehr so gutgläubig zu sein. Er hatte aus seinem Fehler gelernt.
Die Tage gingen ins Land und unser Freund der Ameisenbär lebte sehr sparsam. Jeden Tag fraß er nur das, was er unbedingt zum überleben brauchte. Es war ein elendiges Leben. Ein paar mal hatte er schon keine Lust mehr gehabt, ihm fehlte der Appetit, es fehlte ihm an Nahrung, es fehlte ihm an Freunden. Nie hat er welche gebraucht, hat nie den Sinn einer Freundschaft verstanden. Aber dann kam das Elend von vor einigen Tagen. Jetzt endlich hat er begriffen, was es bedeutet, Freunde zu haben. Nur leider hatte er keine, mit denen er über diese Situation hätte reden können, die mit ihm ihr Futter hätten teilen können. Das Leben hätte so viel schöner sein können. Aber er war selbst schuld daran. Er hat sich nie um Freundschaften gekümmert. Und jetzt war er zu stolz, in eines der benachbarten Bereiche zu gehen, in denen fremde Ameisenbären umher liefen.
Aber sein Vorrat an Futter ging zuneige. Keiner der anderen Ameisenhaufen hat sich erholt, und auch bei den restlichen kleinen sah er keine große Chance mehr. Es war nur ein Fehler, und der hat sein Leben verändert. Und genau der Fehler trieb ihn jetzt dazu, seinen Bereich zu verlassen, und andere Ameisenhügel zu finden, in der Hoffnung, dass sie noch nicht kahl gefressen seien. Er ging los und nahm nichts mit, er hatte nichts mehr, was er hätte mitnehmen können. Sein Fell war verzaust, er war dürr geworden, konnte sich kaum auf seinen eigenen Pfoten halten. Aber er ging.
Tag ein Tag aus versuchte sein Körper durch das jetzt so schwere Unterholz zu gelangen. Er fraß nichts, er trank nichts, es war auf seinem erschwerlichen Wege nichts aufzufinden. Es wurde Abend, er wollte sich gerade zum Schlafen hinlegen, als seine lange und gut ausgebildete Nase etwas nahrhaftes wahrnahm. Ja, es schien ein Ameisenhügel zu sein. Er fasste neuen Mut und Kraft und lief in die Richtung, aus der er den Geruch bemerkte. Im kam die Strecke so unendlich lang vor, aber er gab nicht auf. Und er kam an. Es war ein Ameisenhügel. Aber auch er war zerfallen, ein paar wenige Ameisen flitzten noch am Boden entlang. Aber sonst war es ein nichts. Er wusste, wenn er jetzt die letzten Ameisen noch einsaugen würde, könnte sich der Haufen nie wieder erholen. Er ging ein paar Schritte zurück und legte sich auf den Waldboden. Der Ameisenbär war müde geworden. Er schloss die Augen und träumte von den alten Tagen, in denen er täglich eine frische und große Mahlzeit hatte. Er träumte davon, dass ihn eine schöne Ameisenbärdame besuchen würde und sie bis ans Ende ihrer Tage glücklich zusammen leben würden.
Plötzlich wurde er durch einen leichten Tritt geweckt. Alles was unser Freund jetzt wollte war schlafen, nicht einmal das wurde ihm gegönnt. Er schlug seine verträumten Augen auf und sah sich um. Hinter ihm stand ein anderer Ameisenbär und fragte, was er in seinem Revier vor seinem Ameisenhaufen tun würde, und warum sein Ameisenhügel leer gefressen war. Unser Freund war zu schwach zu antworten. Er schlug die Augen wieder zu und schlief weiter. Jetzt erst sah der zweite Bär den abgemagerten Bauch, das zerfranste Fell und die ausgetrocknete Nase. Und er folgerte daraus, dieser Ameisenbär vor ihm kann unmöglich seinen Hügel leer gefressen haben. Und er bekam Mitleid. Er nahm unsern Freund huckepack und schleppte ihn in seine Behausung. Dort peppelte er unseren Bären wieder auf.
Keine Woche verging, und er war wieder wohl auf. Er hatte einen Freund gewonnen. Einen guten Freund. Und er erzählte von seinen Geschehnissen mit der Ameisenbärdame und dass sie wahrscheinlich auf dem Weg zu weiteren Opfern diesen Hügel damals leer gefressen haben mag. Der andere sagte, dass er sie hat vorbei ziehen sehen, dieses wunderbar schöne Wesen, aber sie hatte ihn nicht beachtet. Zusammen wollten die beiden nun einen Plan schmieden, wie sie die anderen Ameisenbären im Umkreis warnen könnten. Sie machten sich gleich ans Werk.
Gesagt getan, der Plan war fertig. Unser Freund ging in sein altes Revier zurück, nahm aber noch einen Sack voll Ameisen mit. Jeweils eine Hand voll Ameisen setzte er an jedem seiner ehemaligen Ameisenhaufen aus, damit sie wieder zu neuem Leben erwachen würden. Er wusste, diese Aktion würde ein voller Erfolg werden. Nachdem er all seine Ameisenhaufen neu besetzt hatte, ging er weiter in gleicher Richtung, um zu schauen, ob andere Ameisenbären das gleiche Leid durch gemacht hatten. Er brauchte gar nicht lange zu suchen, schon sah er einen einsamen Ameisenbären an einem leeren Haufen. Er brauchte gar nicht nach zu fragen, denn der neue Bär fing sofort mit erzählen an. Dass da eine wunderschöne Dame gewesen sei, die ihm alle Vorräte weggefressen hatte. Mit den Resten in dem Sack des Ameisenbären besetzte er auch diesen und noch ein paar weitere Haufen im Umkreis, auf dass sie schnell wieder gedeihen mögen. Alle restlichen gab er seinem neuen Freund. Zusammen gingen sie weiter in die gleiche Richtung, um zu sehen, ob andere das gleiche Leid erfahren mussten, oder wenigstens zu warnen.
Unser anderer Freund machte sich indes auf den Weg in anderer Richtung, um seine Bekannten im Umkreis zu warnen. Er sah auch schnell einen seiner Bekannten und wollte gerade mit erzählen anfangen, als eine wunderschöne Ameisenbärendame aus dem Bau heraus kam. Es war genau die übeltäterin. Der Bekannte erzählte, dass er noch nie so eine schöne Traumfrau gesehen habe, er wolle ewig mit ihr zusammen leben. Was konnte unser neuer Freund da nur machen. Warnung war jetzt nicht mehr möglich. Die Ameisendame würde es mitbekommen. Er blieb also bis zur Nacht und weckte seinen Bekannten, so dass die Dame nicht mit aufwachte. Nun gingen sie zu dem Haufen, den der Bekannte und seine neue Freundin zu aller erst besucht hatten. Der Bekannte erschrak. Trotz Dunkelheit konnte er feststellen, dass im Ameisenhaufen kein Leben mehr aufzufinden war. Er wollte unseren neuen Freund dafür verantwortlich machen, der sich heimlich in sein Revier geschlichen hatte. Aber er konnte seinen Bekannten davon überzeugen, dass er nicht diese Missetat angestellt hatte. Nun mussten sie nur noch überlegen, wie sie es der Schönen heimzahlen konnten.
Es war immer noch Nacht, und die beiden arbeiteten hart an ihrem neuen Plan. Sie schichteten drei Hügel an drei verschiedenen Plätzen auf. Alle sollten groß und prächtig aber auch natürlich aussehen. Es war in der Dunkelheit kein leichtes Unterfangen, zumal es sehr kalt wurde. Aber noch vor der Morgendämmerung hatten sie ihr Ziel erreicht. Und legten sich wieder bei der angeblichen Freundin schlafen. Es dauerte nicht lange, und genau sie wachte hungrig auf. Während der Bekannte mit seiner Freundin zu einem der neu aufgeschichteten Hügel ging, machte sich unser neuer Freund auf den Weg, andere Ameisenbären zu warnen.
Der Bekannte und die Schöne kamen an einen der Hügel an, als sie sich mitten ins Getümmel stürzen wollte. Aber es war keine einzige Ameise aufzufinden. Sie suchte und suchte, aber fand nichts essbares. Der Bekannte nahm sie an die Hand, und führte sie zu ihrem zweiten prächtigen Hügel. Wieder lief ihr das Wasser im Munde zusammen und stürzte sich in das Vergnügen. Und wieder fand sie nichts. Sie schaute den Bekannten fragend an. Er entgegnete, dass es ihm außerordentlich peinlich sei. Das hatte er noch nie erlebt. Er wüsste aber, wo es noch einen Hügel gäbe, der ganz bestimmt noch voll bewohnt war. Sie ließ es über sich ergehen, und die beiden gingen zu dem dritten Hügel. Aber wieder keine Ameise in Sicht gewesen. Nun sagte die Dame, dass es ihr reichen würde. Er hätte ja nichts mehr zu bieten, als nur leere Haufen. Also verschwand sie wie beim Ameisenbär zuvor im Unterholz. Der Plan ging auf.
Unser neuer Freund inzwischen hat versucht, andere Ameisenbären im Umkreis aufzufinden, um ihnen diese Warnung auszusprechen. Mit etwas Glück fand er auch den nächsten Bären. Er war gerade am Frühstücken. Beide Bären unterhielten sich, mitunter über die wunderschöne Ameisenbärendame. Die Geschichte war so interessant, dass der Bär mit frühstücken aufhörte und diese neuesten Informationen gleich an andere weiter geben wollte. Beide Ameisenbären gingen in verschiedene Richtungen und erzählten jedem Ameisenbär von dieser einen Dame. Es ging um wie ein Lauffeuer. Bald wusste jeder Ameisenbär im Wald von den wundersamen Machenschaften der Ameisenbärendame. Jeder war gewarnt und jeder hoffte einmal ihr zu begegnen, um ihr den eigenen Platz zu verwehren. Viele Bären kamen in den Genuss. Egal wo die Ameisenbärendame auftrat, sie bekam keine Begrüßung wie sie es sonst immer gewohnt war. Im Gegenteil. Immer wurde sie von einem Bären zum nächsten geschickt. Und nie hatte sie Erfolg. Was hatte sie nur falsch gemacht? Sie war am überlegen, kam aber auf keine Antwort. Dann aber fragte sie einen der umherlaufenden Ameisenbären, der ihr dann auch Rede und Antwort stand. Erst da bemerkte sie ihr fehlerhaftes Verhalten. Sie wollte nicht mehr so egoistisch sein. Sie wollte nie wieder einen anderen Ameisenbären ausnutzen. Sie wollte niemandem mehr Schaden zuführen.
Nur hatte sie nun kein leichtes Spiel, ihr Bekennen den anderen Ameisenbären zu unterbreiten. Immer noch wurde sie abgewiesen. Entweder musste sie sich also ein eigenes Revier suchen, in dem sie ihre Ameisenhaufen hat. Oder aber mit einem anderen Bären zusammenleben, ohne ihm die Haare vom Kopf zu fressen. Sie wollte sich wirklich ändern. Aber niemand glaubte ihr. Zu vielen hat sie schon Leid zugefügt. Durch den gesamten Wald ging sie umher, bekam nirgendwo etwas zu fressen. Sie magerte langsam ab und kam immer langsamer vorwärts. Irgendwann kam sie einen Bereich, der ihr wohl bekannt war. Es war das Revier von unserem Freund, der dorthin zurück gekehrt war, nachdem er seinen Plan mit der Weitergabe seiner Geschehnisse vollendet hatte. Dann sah er sie wieder und erinnerte sich an die anfänglich schöne Zeit mit ihr. Sie kam zu ihm und er ging zu ihr. Sie redeten lange miteinander. Auch darüber, wie sie sich jetzt fühlte, und dass jeder andere vor ihr durch sie auch so gelitten hat. Nun endlich verstand sie das Verhalten der anderen Ameisenbären und unser Freund bekam Mitleid mit ihr, weil er selbst so was durchgemacht hatte.
Die neu besetzten Ameisenhaufen hatten sich mittlerweile erholt, und somit konnten die beiden Ameisenbären etwas fressen. Beide hielten sich etwas zurück, damit die Hügel möglichst bald wieder in voller Fülle mit Ameisen stehen würden. Ihr neues Verhalten gefiel unserem Freund, und bald verliebten sie sich ineinander. Fortan lebten sie zusammen und unser Freund erweiterte seine Freundschaften mit den umherliegenden Ameisenbären und auch die Ameisenbärendame schloss somit neue Freundschaften. Sie hatte somit ein Leben, dass sie zuvor nie gekannt hatte. Es gefiel ihr sehr. Es gefiel beiden sehr. So lebten sie in Ruhe und Freundschaft. Und wenn sie nicht gestorben sind, so lieben sie sich noch heute.
Der Löwe und das Eichhörnchen
2022Es war einmal ein Löwe. Mächtig und stolz schritt er täglich in seinem Revier umher und zeigte, dass er hier der König im Lande ist. Nichts und Niemand rüttelte an diesem Status. ... mehr lesen
Es war einmal ein Eichhörnchen. Es lebte Tag ein Tag aus im Revier des Löwen. Ängstlich war es nicht, aber es hatte stets Hunger.Mit knurrendem Magen ging es eines Tages zum Löwen, blieb mit gebürtigem Abstand vor ihm stehen und fragte freundlich:
'Lieber Löwe, ich bin so hungrig. Hast du vielleicht ein paar Nüsse bei dir?'
Der Löwe ganz entzückt von der Kühnheit des Eichhörnchens sprach:
'Nein, liebes Eichhörnchen, Nüsse habe ich leider nicht bei mir. Aber wenn du mich so fragst, etwas Leckeres sehe ich nun aber!'
und machte einen großen Satz in Richtung des standhaften Eichhörnchens.
Dieses wiederum machte auch einen kleinen Satz nach vorn in Richtung Löwe und fragte abermals:
'Etwas Leckeres siehst du? Siehst du Nüsse, wo ich keine sehe?'
'Nein,'
sprach der Löwe, und machte seinerseits einen kleinen Sprung zum Gegenüber
'aber je konkreter ich hinschaue, desto sicherer werde ich mir über den Geschmack.'
Das Eichhörnchen witterte keine Angst und antwortete:
'Oh, das ist schön, ich freue mich schon so sehr auf Nüsse!'
und machte auch einen großen Satz in Richtung seines Gesprächspartners. Der Löwe indes, dem bereits das Wasser im Munde zusammenlief, entgegnete
'Natürlich'
während er den verbliebenen Abstand zum Eichhörnchen hechtete, um es zu ergreifen.
Dieses mutige Wesen aber sprang gleichzeitig nach vorn, lief unter dem Bauch des Löwen entlang, schnappte sich das Hüftgebaumel des Löwen und biss beherzt hinein.
So kam das hungrige Eichhörnchen doch noch zu seinen Nüssen.
Der Bücherwurm
2010-2026
Der Wald
Der Holzwurm lebte tief im Inneren eines alten Buchenstamms. Das Holz war fest, aber nie ganz trocken. Im Frühling schmeckte es wässrig, im Herbst leicht bitter, und im Winter war es so hart, dass das Fressen mehr Arbeit als Genuss war... mehr lesen
Trotzdem fraß er sich Tag für Tag durch die gleichen Schichten, kannte jede Maserung und jeden Riss. Manchmal begegnete er anderen Holzwürmern, die in benachbarten Gängen lebten. Ihre Gespräche waren kurz und vorhersehbar.
„Wie ist das Holz bei dir?“
„Feucht. Aber essbar.“
„Dann ist ja gut.“
Mehr wurde selten gesagt. Einer der älteren Würmer behauptete, er habe schon alles gesehen, was es zu sehen gebe. Holz sei Holz, und wer mehr erwarte, verschwende nur Energie. Ein anderer warnte davor, sich zu weit nach außen zu fressen. Dort lauerten Gefahren, sagte er, und klopfte mit dem Kopf gegen die Wand seines Ganges, als wolle er das unterstreichen. Der Holzwurm hörte zu, nickte, und nagte weiter. Doch während seine Zähne arbeiteten, schweiften seine Gedanken ab. Er fragte sich, ob es wirklich das gewesen sein sollte. Immer nur dieser Stamm, dieser Geschmack, diese Gespräche.
Dann kam der Specht.
Zuerst hörte man ihn nur aus der Ferne. Ein dumpfes Klopfen, das durch das Holz wanderte. Später wurde es lauter, näher, zielgerichteter. Jedes Mal zog sich der Holzwurm instinktiv tiefer ins Innere zurück, hielt inne und wartete. Das Klopfen war rhythmisch, präzise, und es ließ keinen Zweifel daran, dass der Specht wusste, was er tat. Der Specht kam regelmäßig. Mal blieb er kurz, mal lange. Manchmal hackte er so nah, dass Holzsplitter durch die Gänge rieselten. Dann herrschte unter den Holzwürmern angespannte Stille. Niemand fraß, niemand sprach. Als der Specht weiterzog, ging alles weiter wie zuvor. Genau das war es, was den Holzwurm zunehmend störte.
Eines Tages, nach einem besonders langen Regen, schmeckte das Holz schal und abgestanden. Der Holzwurm hielt inne, drehte sich um und fraß nicht zurück, sondern weiter nach vorn. Schicht um Schicht arbeitete er sich in Richtung Rinde. Das Holz wurde trockener, heller, fremder. Schließlich brach er durch.
Zum ersten Mal war er draußen. Der Waldboden roch nach Erde und Moder. Es war kühl, und irgendwo über ihm hörte er wieder das Klopfen des Spechts. Der Holzwurm bewegte sich vorsichtig, stets darauf bedacht, Schatten und Ritzen zu nutzen. Jeder offene Schritt fühlte sich falsch an, aber auch notwendig.
Nach langer Zeit erreichte er etwas, das nicht nach Wald roch. Vor ihm stand eine kleine Holzhütte. Das Holz war alt, verwittert, aber trocken. Der Holzwurm biss probehalber hinein und hielt inne. So hatte Holz noch nie geschmeckt. Er fraß weiter, tiefer, und vergaß für einen Moment alles andere. Erst als plötzlich lautes Klopfen von außen kam, erstarrte er. Der Specht war ihm gefolgt. Er hackte gegen die Hütte, verwirrt von dem ungewohnten Material.
Doch dann geschah etwas Unerwartetes. Die Tür der Hütte ging auf. Ein Mensch trat heraus, schwang einen Besen und vertrieb den Specht mit lauten Rufen. Das Klopfen verstummte, die Flügel entfernten sich. Der Holzwurm blieb reglos. Zum ersten Mal seit langer Zeit war es still. Kein Specht. Kein Regen. Kein feuchtes Holz. Nur trockene Wände und gleichmäßige Luft.
Der Holzwurm fraß weiter und fühlte sich sicher.
Zumindest vorerst.
Die Hütte
Der Holzwurm fraß sich weiter in die Wand der Hütte hinein. Das Holz war gleichmäßig trocken, ohne die feuchten Adern und harten Widerstände der Waldbäume. Jeder Biss ging leicht vonstatten. Es gab keine Temperaturschwankungen, keine Geräusche von Wind oder Regen. Die Luft war still, beinahe unbeweglich. Irgendwann gab das Holz nach. Plötzlich war nichts mehr da, woran er sich festbeißen konnte. Der Holzwurm rutschte, strampelte und konnte sich im letzten Moment an einer Kante halten. Unter ihm öffnete sich ein leerer Raum. Hätte er den Halt verloren, wäre er tief gefallen. So aber blieb er hängen, bewegte sich vorsichtig weiter und erkundete das Innere der Hütte.
Es dauerte nicht lange, bis er auf das erste Möbelstück stieß: einen Tisch. Das Holz roch vertraut. Er biss hinein, prüfend, langsam. Buche. Fest, gleichmäßig, korrekt. Genau wie der Baum, den er verlassen hatte. Der Holzwurm fraß ein kleines Stück und zog sich wieder zurück. Das kannte er schon.
Als Nächstes gelangte er zur Tür. Auch sie bestand aus Buche. Der Geschmack bestätigte es sofort. Keine Überraschung, keine neue Note. Nur mehr vom Gleichen, diesmal besser getrocknet, aber innerlich vertraut. Der Holzwurm verlor das Interesse.
Er kroch weiter und stieß auf ein Regal. Das Holz war dunkler, schwerer. Der erste Biss war zäher, aromatischer. Eiche. Interessant. Sehr interessant. Das Holz erzählte von Zeit, von Druck, von Geduld. Der Holzwurm verweilte einen Moment, fraß sich ein kleines Stück hinein und hielt inne. Gut, dachte er, aber vielleicht geht es noch besser. Dann fand er den Stuhl.
Das Stuhlbein war schmal, elegant gearbeitet und roch süßlich. Der erste Biss überraschte ihn. Das Holz war weich, feinfasrig, beinahe fruchtig. Kirsche. Der Geschmack entfaltete sich langsam, warm und rund, ohne Bitterkeit, ohne Widerstand. Der Holzwurm fraß weiter. Und weiter. Hier blieb er. Tagelang. Er vergaß die Zeit, vergaß den Wald, vergaß sogar den Specht. Das Stuhlbein wurde hohl, ohne dass er es bemerkte. Erst als der Boden plötzlich bebte, hielt er inne. Ein Mensch hatte sich auf den Stuhl gesetzt.
Das Knacken kam spät, aber endgültig. Der Stuhl brach zusammen. Der Mensch stürzte, fluchte und richtete sich wieder auf. Sein Blick fiel auf das zerfressene Stuhlbein, auf die feinen Gänge und Löcher. Der Holzwurm zog sich instinktiv zurück. Der Mensch kam zurück, diesmal mit einer Flasche. Ein beißender Geruch erfüllte die Hütte. Die Luft brannte. Es war kein Holzgeruch, nichts Natürliches. Es war etwas Fremdes, Stechendes, Gefährliches. Der Holzwurm floh kopflos, zurück durch bekannte Gänge, vorbei an Buche und Kirsche, hinein in die Eiche des Regals.
Dort hielt er inne. Das Regal kannte er. Es war stabil, ruhig, und es roch nicht nach Chemie. Der Holzwurm versteckte sich tief im Holz, während draußen der Mensch weiter fluchte und sprühte. Er war in Sicherheit.
Noch wusste er nicht, dass sich direkt neben ihm etwas befand, das sein Leben von Grund auf verändern würde.
Das Regal
Der Holzwurm blieb tief im Inneren der Eiche und wartete. Erst als kein scharfer Geruch mehr durch die Fasern zog, begann er sich vorsichtig vorwärtszubewegen. Das Regal fühlte sich anders an als alles zuvor. Es war kein einzelnes Objekt, sondern eine Ansammlung von Dingen, dicht beieinander, ohne erkennbare Ordnung aus seiner Sicht.
Er arbeitete sich nach oben und stieß gegen etwas Glattes. Hart. Kalt. Seine Zähne fanden keinen Halt. Glas. Es roch nach nichts und klang hohl, als er dagegenstieß. Der Holzwurm wich zurück. Solche Dinge waren ihm fremd und unbrauchbar.
Ein Stück weiter traf er auf eine runde Form, kühl und schwer. Stein oder Keramik. Auch hier kein Geschmack, keine Faser, nichts, woran man bleiben konnte. Der Holzwurm verstand, dass nicht alles in dieser Welt zum Fressen gedacht war.
Dann hörte er ein leises, gleichmäßiges Geräusch. Ein Ticken. Er folgte ihm und gelangte an ein kleines Gehäuse. Holz, aber hart und versiegelt. Der erste Biss war unerquicklich. Bitter. Der Holzwurm ließ sofort ab. Dieses Holz war verschlossen, als wolle es nicht entdeckt werden.
Er bewegte sich weiter, von der Uhr weg, stieß auf weiches Material. Es gab nach, schmierte, roch seltsam. Wachs. Es erinnerte an nichts, was er kannte, und löste instinktive Abwehr aus. Auch das ließ er hinter sich.
Kerzen sind nicht einfach seine Welt. Zwischen all diesen Dingen gab es Spalten, Hohlräume und schmale Wege. Das Regal war kein Ort zum Bleiben, aber ein Ort zum Suchen. Der Holzwurm merkte, dass er hier nicht einfach fressen konnte wie im Wald oder im Stuhlbein. Er musste auswählen.
Schließlich stieß er auf dünne Holzleisten. Hoffnung keimte auf. Doch der Geschmack enttäuschte ihn sofort. Die Bilderrahmen waren behandelt, das Holz bitter und tot. Es war Holz, das aufgehört hatte, Holz zu sein.
Schon wollte er sich zurückziehen, als ihm etwas auffiel. Neben den Rahmen standen viele schmale Körper, dicht an dicht. Sie fühlten sich trocken an, fein geschichtet, regelmäßig. Kein massives Holz, sondern etwas Zusammengesetztes. Der Geruch war alt, staubig, aber nicht abweisend. Der Holzwurm hielt inne. Hier war etwas anderes.
Er wusste noch nicht, was es war, aber zum ersten Mal seit dem Stuhlbein verspürte er wieder echte Neugier.
Papier
Der Holzwurm bewegte sich näher an die schmalen Körper heran. Sie standen dicht an dicht, ohne Zwischenräume, und wirkten dennoch nicht abweisend. Er tastete eine Oberfläche ab. Sie war fest, aber nicht hart. Glatt, jedoch nicht kalt. Kein Lack, kein Öl, keine Versiegelung. Er setzte vorsichtig seine Zähne an. Der erste Biss war anders als alles zuvor. Es war kein massives Holz, das Widerstand leistete, und auch kein morsches Material, das sofort nachgab. Es war leicht, schichtig, beinahe luftig. Die Fasern trennten sich sauber, ohne zu splittern. Ein feiner Geschmack breitete sich aus, trocken, mild, mit einer leichten Bitterkeit, die nicht störte, sondern Tiefe hatte.
Der Holzwurm hielt inne. Er biss erneut. Diesmal tiefer. Mit jedem Biss veränderte sich nicht nur der Widerstand, sondern auch etwas in ihm. Es war, als würde das Material mehr enthalten als bloße Substanz. Der Geruch war alt, vertraut und doch neu, eine Mischung aus Staub, Leim und etwas Unbestimmtem. Nicht lebendig wie ein Baum, nicht tot wie lackiertes Holz. Der Holzwurm fraß weiter und bemerkte, dass sich unter der Oberfläche etwas öffnete. Schicht um Schicht legte er frei, ohne zu zerstören. Das Material ließ sich führen. Es zwang ihn nicht, sondern folgte.
Zum ersten Mal fraß er nicht aus Hunger oder aus Gewohnheit. Er fraß aus Interesse. Die Umgebung trat in den Hintergrund. Das Regal, die Hütte, der Mensch, all das verlor an Bedeutung. Der Holzwurm blieb an dieser einen Stelle, vertieft in das, was sich ihm anbot. Er verstand nicht, was er da fraß, aber er spürte, dass es anders war. Besser.
Als er innehielt, nicht aus Sättigung, sondern aus Nachdenken, war ihm klar, dass er hier nicht nur Holz gefunden hatte. Er hatte etwas entdeckt, das mehr war als Material. Der Holzwurm blieb.
Das Buch
Der Holzwurm blieb in dem Buch. Nicht, weil er keinen anderen Ort mehr gehabt hätte, sondern weil er keinen anderen mehr wollte. Die Seiten boten ihm Halt, Schutz und einen gleichmäßigen Widerstand, der ihn weder forderte noch langweilte. Er fraß langsam, bedacht, nicht mehr getrieben von Hunger, sondern von Aufmerksamkeit.
Mit der Zeit veränderte sich sein Rhythmus. Er fraß nicht mehr, um weiterzukommen, sondern hielt inne, verweilte, kehrte zurück. Manchmal ließ er ganze Abschnitte unberührt, als wolle er sie aufheben. Das war neu. Im Wald hatte es nur Vorwärts gegeben. Die Welt draußen wurde leiser. Der Mensch räumte, der Staub legte sich, das Regal blieb unbewegt. Selbst der Specht kehrte nicht zurück. Der Holzwurm nahm es kaum noch wahr. Alles, was ihn beschäftigte, lag vor ihm, Schicht um Schicht, Seite um Seite.
Er bemerkte, dass sich mit jedem Biss etwas in ihm ordnete. Gedanken, die er früher nicht hatte, formten sich. Bilder, die nicht aus Holz bestanden. Erinnerungen an Dinge, die er nie erlebt hatte. Er fraß nicht nur Material. Er nahm etwas auf. Irgendwann fragte er sich nicht mehr, wie das Holz schmeckte, sondern was als Nächstes kam. Der Gedanke erschreckte ihn nicht. Er fühlte sich richtig an.
Als er sich eines Tages durch eine Seite hindurchgearbeitet hatte und kurz innehielt, wurde ihm klar, dass er längst aufgehört hatte, ein gewöhnlicher Holzwurm zu sein. Der Wald, die Hütte, das Stuhlbein – all das gehörte zu einem früheren Leben. Hier war er angekommen. Und so wurde aus dem Holzwurm, der einst nur Holz kannte, etwas anderes.
So verwandelte sich der Holzwurm langsam aber sicher in einen Bücherwurm.
Der chinesische Steinmetz
nicht von mir, passt aber zum BerufEs war einmal ein alter Steinmetz, der jeden Tag an riesigen Steinen und Felsbrocken arbeitete. Eines Tages ritt ein Fürst durch seine Stadt und der Steinmetz sah erstaunt, wie jedermann sich zu Boden warf und vor Furcht bebte. ... mehr lesen
Der Steinmetz dachte: „Der Fürst ist so viel mächtiger als ich – ach, könnte ich nur er sein.“Gedacht, getan – mit einem Mal war er der Fürst. Er durchmaß zu Pferd sein Reich und überwachte seine Untertanen, in deren Herzen er Angst und Schrecken säte. Er wusste, dass er nach Belieben über sie verfügen konnte. Doch dann schien ihm die Sonne auf das Haupt, sodass ihm die Hitze zusetze, und er dachte sogleich: „Die Sonne ist so viel mächtiger als ich. Könnte ich nur die Sonne sein.“ Und er ward die Sonne.
So strahlte er im Folgenden vom Himmel hoch auf die Welt herab, und er versehrte mit seinen Strahlen alle Felder, entfachte Feuersbrünste und trocknete Flüsse aus, sodass der Fürst und sein Volk vor Entsetzen aufschrien. Doch dann kam eine dunkle Wolke herbei, verdeckte die Sonne und brachte erlösenden Regen. Die Steinmetz-Sonne dachte daraufhin: „Der Regen ist so viel mächtiger. Könnte ich doch nur dieser Regen sein.“ Und er ward zur Wolke und ließ es regnen.
Er flog überallhin, löste durch seinen Regen Fluten und Muren aus und vernichtete die Ernten damit. Da kam auf einmal ein heftiger Wind auf und blies die Wolke davon, woraufhin die Steinmetz-Wolke dachte: „Der Wind ist so viel mächtiger. Könnte ich doch nur der Wind sein“ – und er ward zum Wind.
Als Wind blies er Bauwerke, Wälder und Menschen um und richtete damit gewaltigen Schaden an. Dann prallte er gegen einen gewaltigen Felsbrocken, der sich nicht bewegen ließ, und der Steinmetz-Wind dachte: „Der Felsbrocken ist so viel mächtiger. Könnte ich doch nur dieser Felsbrocken sein“, und er ward zum Felsbrocken. Riesig groß, schwer und unbeweglich.
So betrachtete er lange Zeit den Wandel um sich her, derweil er aber immer derselbe blieb. Doch eines Tages spürte er ein Hämmern an seinem Leib, er blickte erstaunt herab und sah – einen Steinmetz …
Galerie
Dieser Inhalt kann nur mit aktiviertem JavaScript angezeigt werden.